Natur- und Artenschutz , Tierleid durch massive Gesetzesänderungen
Im Namen der sogenannten „Beschleunigung der erneuerbaren Energien“ hat der Deutsche Bundestag in den vergangenen Jahren eine beispiellose Flut von Gesetzesänderungen im Eilverfahren verabschiedet. Was als Bürokratieabbau deklariert wurde, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als massiver Rückbau mühsam erkämpfter Umweltstandards. Einstige Kernprinzipien des Natur-, Landschafts- und Artenschutzes wurden im Zuge dieser Gesetzesnovellen (wie dem Osterpaket oder dem Wind-an-Land-Gesetz) drastisch aufgeweicht oder gar gänzlich ausgehebelt.
Der Verzicht auf die Naturverträglichkeit Besonders schwer wiegt der weitgehende Entfall der verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Windkraft- und Netzausbauprojekte in sogenannten Beschleunigungsgebieten. Damit wurde ein zentrales Instrument der demokratischen und ökologischen Kontrolle beschnitten. Die fatalen Folgen: Selbst ökologisch sensible Ökosysteme sind nicht mehr sicher. Der Bau von Industrieanlagen ist mittlerweile in geschützten Waldgebieten, Landschaftsschutzgebieten und sogar in streng geschützten Natura-2000-Gebieten rechtlich möglich – ein Paradigmenwechsel, der den Naturschutz dem industriellen Ausbau unterordnet.
Die ökologischen Opfer der Rotoren Die Auswirkungen auf die Tierwelt sind bereits jetzt unübersehbar und werden durch den verstärkten Ausbau weiter verschärft:
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Vogelschlag und Fledermaussterben: Schätzungen und Hochrechnungen (unter anderem basierend auf der Progress-Studie) gehen von hunderttausenden verendeten Vögeln pro Jahr aus. Besonders betroffen sind kollisionsgefährdete Greifvogelarten wie der Rotmilan. Noch dramatischer verhält es sich bei Fledermäusen: Untersuchungen (u.a. des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung) beziffern die Zahl der jährlich an Windkraftanlagen kollidierten oder durch Barotraumen getöteten Fledermäuse auf rund 200.000 Tiere allein in Deutschland.
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Insektenverlust: Modellrechnungen (wie die des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt) weisen zudem darauf hin, dass in den Sommermonaten täglich Milliarden von Insekten in den Rotorenströmen der Anlagen sterben, was potenziell die Nahrungskette ganzer Ökosysteme beeinträchtigt.
Internationaler Widerstand: Das Beispiel der Sami in Norwegen Dass der Konflikt zwischen Klimaschutz und indigenem Naturraum globale Ausmaße annimmt, zeigt der erbitterte Protest der Sami in Skandinavien. In Norwegen fordern die indigenen Rentierhalter vehement den Rückbau von Windkraftanlagen (wie im Fall des Fosen-Windparks), nachdem der Oberste Gerichtshof Norwegens die dortigen Genehmigungen wegen der Verletzung von Menschenrechten für ungültig erklärt hatte. Die riesigen Industrieanlagen, der Lärm und der Infraschall sowie die visuelle Unruhe (Blinklichter) stören die traditionellen Wanderrouten und Weidegründe der Rentierherden massiv. Die betroffenen Gemeinschaften berichten von erheblichem Stress unter den Tieren, der sich unter anderem in einer drastisch gestiegenen Rate von Fehl- und Totgeburten bei den Rentieren widerspiegelt.


